PresseerklÀrung

Pressemitteilung - Tendenz in der Berichterstattung und politischen Diskussion um AuslĂ€nder und FlĂŒchtlinge

 Mit Besorgnis verfolgt der AuslĂ€nderbeirat Marburg die Tendenz in der Berichterstattung und politischen Diskussion um AuslĂ€nder und FlĂŒchtlinge. Seit den frauenverachtenden Vergewaltigungen in der Silvesternacht in Köln durch eine Gruppe von mĂ€nnlichen FlĂŒchtlingen hat sich die Berichterstattung so verĂ€ndert, dass kriminalisierende Verallgemeinerungen zur Tagesordnung gehören. Auch die Volksverhetzungsklagen nach Fastnacht  in mehreren StĂ€dten Deutschlands zeigen wie sich die Stimmung gegenĂŒber FlĂŒchtlingen geĂ€ndert hat.

Nun wird auch in der Marburger Lokalpresse Angst geschĂŒrt und Verbindungen hergestellt, die so nicht bestehen.

 Am 4. Februar, Weiberfastnacht, veröffentlichte die Oberhessische Presse auf der Titelseite und der Seite 3 einen zusammenhĂ€ngenden Bericht. Unter anderem heißt es dort:

"Die seit Januar gehĂ€uft auftretenden sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Innenstadt fĂŒhren indes zu Auseinandersetzungen in der Kommunalpolitik"(Seite 1). Und weiter auf der Seite 3: "'Die aktuelle Sicherheitslage rund um die Kunsthalle und am Hauptbahnhof geben großen Anlass zur Sorge', sagt Karin Schaffner, stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende. Entscheidend sei nicht die Herkunft der TĂ€ter - bei allen zuletzt der Polizei gemeldeten Angriffen handelt es sich um TĂ€ter auslĂ€ndischen Aussehens -, sondern die 'massive HĂ€ufung von sexuellen BelĂ€stigungen und Pöbeleien' in der Stadt."

Auf Nachfrage von Prof. Ulrich Wagner vom Zentrum fĂŒr Konfliktforschung der Uni Marburg beim Pressesprecher der Polizeistation Marburg ergab sich, dass es keine statistische Zunahme sexueller Übergriffe auf Frauen, auch nicht durch TĂ€ter auslĂ€ndischen Aussehens in Marburg gibt.

Wir vom AuslĂ€nderbeirat Marburg fordern ein stĂ€rkeres Bewusstsein Verallgemeinerungen – wie in diesem Fall- gegenĂŒber Menschen  „auslĂ€ndischen Aussehens“ abzustellen und die Berichterstattung auf sachlich fundierter Ebene zu fĂŒhren.

Ein „auslĂ€ndisches Aussehen“ kann auch ein Mensch deutscher Staatsangehörigkeit haben.

TatsĂ€chlich besteht keine Zunahme von sexuellen Angriffen, aber es werden BezĂŒge hergestellt, die mit zu der Stimmung im Land passen. Diese Art der Berichterstattung schĂŒrt Ängste in der Bevölkerung und gibt neues Feuer fĂŒr Vorurteile, die in diesem Fall fĂŒr Marburg unbegrĂŒndet sind. Fakten und nicht GerĂŒchte sollten die Grundlage fĂŒr die Berichterstattung sein, so wie wir es von der OP eigentlich kennen.

Diese feinen Unterschiede sind maßgeblich fĂŒr ein friedliches Miteinander. So bleibt die Chance eines offenen, vorurteilsfreien Zusammenlebens mit hier lebenden Migranten und FlĂŒchtlingen in der Stadt Marburg und in Deutschland generell möglich.   Eine differenzierte Berichterstattung ĂŒber FlĂŒchtlinge setzt dies voraus.